Flexibler Schulanfang

Der „Flexible Schulanfang“ (Flex) als besonderes Schulprofil
Auf der Basis des 2004 offiziell beendeten Schulversuchs „Neukonzeption der Schuleingangsstufe“ hat die Pestalozzischule im Nachgang die Struktur des Flexiblen Schulanfangs entwickelt. Diese als künftige Regelschulform  eingerichtete Arbeit der Schuleingangsstufe, wurde nach den positiven Erfahrungen mit dem Schulversuch in allen schulischen Gremien einstimmig beschlossen. Das nachfolgende Konzept wurde in den Beschluss mit einbezogen.

Konzept für die Gestaltung des Flexiblen Schulanfangs an der Pestalozzischule
Unter dem Leitziel der zeitlich früheren, intensiven, individuelleren und nachhaltigen Förderung des einzelnen Kindes kommt den Maßnahmen der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung in der Grundschule eine besondere Bedeutung zu.
In diesem Zusammenhang kommt dem „Flexiblen Schulanfang“ an der Pestalozzischule eine wichtige Bedeutung zu. Vor dem Hintergrund der sehr heterogenen Lernausgangssituationen der Schülerschaft erhält der Gedanke der Flexibilität und Variabilität pädagogischer Maßnahmen ein besonderes Gewicht.
Dabei richtet sich das Augenmerk zunächst auf die Einschulungspraxis.

Einschulung möglichst aller Kinder
Vor der Einschulung werden verschiedene Maßnahmen durchgeführt, um möglichst viele Informationen zum Kind zusammenzutragen: Elterngespräche, Beobachtungen des Kindes in einer 1:1-Situation mit besonderem Blick auf den Sprachstand bei Kindern mit Migrationshintergrund, Beobachtungen von Kindern während eines Diagnostikarrangements aus den Bereichen „Sprache und Bewegung“ und „Mathematik und Bewegung“ in der Kita, Austausch mit den beteiligten Erzieherinnen und dem schulärztlichen Dienst. Alle Informationen werden anschließend in einer Synopse erfasst. Die Erhebung dieser Informationen erfolgt in mehreren Abschnitten:

Elterngespräch und Beobachtung
Im Rahmen der im März/April des Jahres vor der Einschulung durchzuführenden Anmeldung der Schulanfänger  finden das Elterngespräch und eine kleine Diagnostik mit spielerischen Aufgabenstellungen für das Alter 4,5-6 Jahre in einer 1:1-Situation in der Schule mit dem Kind statt. Zwei Lehrerinnen teilen sich diese Aufgaben. Für das Kind in der neuen Situation sind die Eltern in unmittelbarer Nähe.
Im Elterngespräch geht es darum, für die Schule bedeutsame Informationen zum Kind entgegen zu nehmen. Vorhandene Fragen wie beispielsweise vorzeitige Einschulung auf Antrag, halbjährliche Einschulung oder begründete Elternwünsche auf Zurückstellung des Kindes werden erörtert und im Beratungsbedarf den Eltern mögliche Wege aufgezeigt.
Bei Kindern mit Migrationshintergrund liegt das besondere Augenmerk auf der Sprachkompetenz in Deutsch. Hieraus resultiert die Entscheidung zur Teilnahme am Vorlaufkurs.

Lehrkräfte in den Kitas
Die Lehrkräfte der Schule gehen in die Kitas. Im Herbst unter dem Fokus „Sprache und Bewegung“ und „Mathematik und Bewegung“ im Frühjahr vor der Einschulung werden die Schulanfänger in einer Gruppe von 5-8 Kindern im Umgang mit dem oben genannten Diagnostikarrangements beobachtet. Hierbei zeigt das Kind zusammen mit Gleichaltrigen in seinem bekannten Umfeld, angeleitet von der Lehrkraft spielerisch seinen bisherigen Entwicklungsstand. Diese Gruppensituation dient der Erfassung des individuellen Entwicklungsstandes geraume Zeit vor der Einschulung.
Der sich jeweils anschließende Austausch mit den Erzieherinnen der Kitas im Einzugsbereich der Schule eröffnet die Möglichkeit, das von ihnen über einen längeren Zeitraum beobachtete Spiel- und Arbeitsverhalten, sowie die Gesamtentwicklung der künftigen Schulanfänger zu erörtern.

Schulärztin
Schließlich rundet ein intensives Auswertungsgespräch mit der Schulärztin zu den durchgeführten Schuleingangsuntersuchungen die Erfassung relevanter Informationen zur Lernausgangslage jedes Kindes weit vor der eigentlichen Schulaufnahme ab, sodass bei Handlungsbedarf noch Zeitressourcen sind.

Alle in der Synopse erfassten Informationen dienen als Grundlage für weitergehende Gespräche mit Eltern, etwa bei der Frage der Wahrnehmung von Fördermaßnahmen wie Vorlaufkurse, Ergotherapie und Logopädie oder bei der Entscheidung für eine vorzeitige Einschulung, eine Einschulung zum Schulhalbjahr, oder gar für eine Zurückstellung des Kindes. Grundsätzlich gilt jedoch das Primat der Einschulung aller schulpflichtigen Kinder. Gleichwohl werden immer wieder auch Schulanfänger vorgestellt, deren Entwicklungsverzögerungen auch unter Berücksichtigung sozialpädagogischer Förderung in der Schuleingangsstufe so gravierend sind, dass eine Einschulung verfrüht wäre.
In diesem Fall sollte von der Kindertagesstätte unter Zustimmung der Eltern das BFZ (Beratungs- und Förderzentrum) eingeschaltet werden, um geeignete Fördermaßnahmen in die Wege zu leiten. Evtl. ist in diesem Zusammenhang die Einrichtung eines Förderausschusses nötig, wenn Anspruch auf sonderpädagogische Förderung in Betracht kommt oder besteht. Hieraus ergibt sich eine Empfehlung mit Blick auf eine mögliche inklusive Beschulung.

 

Zusammenfassung der ersten beiden Jahrgangsstufen Die Einschulungspraxis an unserer Schule
Eingeschult werden alle schulpflichtigen Kinder, die bis zum 01.07. des Einschuljahres sechs Jahre alt werden. Damit werden alle schulpflichtigen Kinder ohne Prüfung der Schulfähigkeit aufgenommen.
„Vorzeitig“ eingeschult werden können alle Kinder, die bis zum 31.12. nach dem Einschulungstermin sechs Jahre alt werden. Der Baustein des Flexiblen Schulanfangs die Einschulung im Februar vorzunehmen wird zur Zeit nicht aus padägogischen Gründen nicht angeboten. Seit 2004 führt die Pestalozzischule die halbjährliche Einschulung durch, die Kindern und Eltern einen flexibleren Schuleintritt und eine Optimierung der Schuleingangsphase ermöglicht.
Die Schule befürwortet die vorzeitige Einschulung nach Rücksprache mit den Erzieherinnen und der Schulärztin in den Fällen, in denen im Rahmen der Schulanmeldung ein positives Spiel-, Arbeits- und Sozialverhalten zutage getreten ist.
Alle Schulanfänger werden in bereits bestehende Lerngruppen aufgenommen und bilden gemeinsam mit den Schülern des zweiten Schuljahres eine Lerngruppe 1/2. Die Eingewöhnung der Schulanfänger wird dadurch erleichtert, dass ihnen die „Großen“ hilfreich zur Seite stehen.
Die Zusammensetzung der Klassen erfolgt durch das Team, bestehend aus Sozialpädagoginnen, Förderschullehrkräfte und der Schulleitung. Dabei werden von dieser Gruppe alle Ergebnisse der Schulanmeldung, der Gespräche mit den Erzieherinnen und der Schulärztin berücksichtigt. Die Synopse bildet dabei die wesentliche Grundlage.

Didaktisches Handeln in heterogen Lerngruppen
Die Arbeit im Unterricht erfolgt in altersgemischten Lerngruppen 1/2 und ist seit 1999/2000 fester Bestandteil des Schulprogramms. Dies bedeutet, dass 6 – 8 jährige Kinder gemeinsam unterrichtet werden, miteinander und voneinander lernen.
Jedes Kind soll nach seinem Leistungsvermögen gefordert und gefördert werden. Diese Zielsetzung soll durch entsprechende Lern- und Lehrmethoden sowie unterschiedliche Arbeitsformen erreicht werden. Formen des offenen Lernens, wie die Arbeit mit Tages-und Wochenplan, Statio¬nenlernen, Werkstattunterricht und Projektarbeit sind feste Bestandteile des Unterrichts. Durch die zeitliche Rhythmisierung des Unterrichtsvormittags stehen Lern- und Arbeitsphasen in einem dem Alter entsprechenden Verhältnis zu Spiel-, Bewegungs- und Ruhepausen. Selbstständig und miteinander zu lernen rückt stärker in den Mittelpunkt des Unterrichts. Auch lernen die Schüler, sich gegenseitig zu helfen, Rücksicht zu nehmen und für sich und andere verantwortlich zu sein. Jede Lerngruppe erhält hierbei die Unterstützung einer Sozialpädagogin, die zu bestimmten Zeiten in den Klassen 1/2 mitarbeitet (Diagnostik, Förderung, Teamteaching). Kinder, die aufgrund von Entwicklungsverzögerungen mehr Zeit brauchen, haben die Möglichkeit drei Jahre in der Jahrgangsstufe 1/2 zu verweilen. Die jahrgangshomogenen Klassen 3 werden unter pädagogischen Gesichtspunkten aus den Jahrgangsstufen 2 gebildet.

Integration der sozialpädagogischen Arbeit
Derzeit arbeiten zwei Sozialpädagoginnen im Team der Jahrgangsstufe 1/2 mit. Sie sind zum Teil in der Doppelbesetzung / Teamteaching und auch in der Einzelförderung eingesetzt. Da der Förderbedarf unserer Kinder im Laufe der Zeit zugenommen hat, kommt es durchaus vor, dass die Sozialpädagoginnen mehrere Kinder in Kleingruppen fördern. Jede Sozialpädagogin verfügt über einen eigenen Raum, in dem sie mit einer kleinen Gruppe von Kindern arbeiten kann. Die Sozialpädagoginnen stehen im ständigen Austausch mit den Klassenlehrerinnen und unterstützen diese auch bei der Beratung der Eltern. Sie sind zu einem festen und wichtigen Bestandteil unserer Arbeit geworden. Auch Eltern begrüßen diese intensive Form der Zusammenarbeit.

Präventive Arbeit bereits beim Einschulungsverfahren versuchen die Mitglieder des Teams die Lernausgangssituationen zu erfassen, um den Kindern frühzeitig eine bestmögliche Förderung zukommen zu lassen. Es bestehen die Möglichkeiten der Kleingruppenarbeit, der Einzelförderung, der inklusiven Beschulung sowie der Förderung Deutsch & PC. Um den Kindern die optimale Förderung zukommen zu lassen, ist eine Zusammenarbeit mit Eltern, Schulpsychologen, dem Beratungs- und Förderzentrum und weiteren externen Beratungsstellen sowie dem Staatlichen Schulamt unerlässlich.
Regelmäßige pädagogische Konferenzen stellen Lern- und Lebensprobleme einzelner Schüler in den Mittelpunkt und gemeinsam werden Lösungsansätze innerhalb und außerhalb der Schule beraten. Ergänzt wird dieses Vorgehen durch die Zusammenarbeit mit dem schulpsychologischen Dienst. Die Sozialpädagoginnen und Förderschullehrkräfte sind in die Verfahren in der Regel involviert. Eine Meldung an das BFZ erfolgt erst nach Ausschöpfung aller vorhandenen Möglichkeiten der Schule, darunter zählt auch die Verweildauer von drei Jahren in den Klassen 1/2. Entschieden wird dieser Schritt durch die Klassenkonferenz. Kommt nach Ausschöpfung der präventiven Maßnahmen ein Förderausschuss zusammen, kann hier eine sonderpädagogische Förderung oder Unterstützung durch eine Eingliederungshilfe in Betracht gezogen werden.

Beraten und Beurteilen
Am Ende des ersten und zweiten Schuljahres wird für jedes Kind ein Lernentwicklungsbericht verfasst. Dieser umfasst die Lernausgangslage und dokumentiert die Lernentwicklung jedes einzelnen Kindes. Auch hier erfolgt eine Absprache mit allen am Unterricht beteiligten Personen. Die Lernentwicklungsberichte werden in der Regel vor der Ausgabe den Eltern und Kindern im Einzelgespräch vorgelesen und erläutert.


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